EN ISO 11611 – Schutzkleidung für Schweißen und verwandte Verfahren
Kurz gesagt: EN ISO 11611 regelt Kleidung für Schweißarbeiten und verwandte Verfahren. Sie schützt vor Schweißspritzern – kleinen Spritzern geschmolzenen Metalls –, kurzzeitigem Kontakt mit Flammen und der Strahlungswärme eines elektrischen Lichtbogens. Es gibt zwei Klassen – und welche du brauchst, entscheiden Schweißverfahren und Arbeitssituation.
- Die Kennzeichnung
- Die Bekleidung ist mit diesem Piktogramm gekennzeichnet. Zum Piktogramm gehören die Bezeichnung der internationalen Norm sowie die Klassenangabe – Klasse 1 oder Klasse 2 – und die Angabe der Beflammungsprüfung, die angewendet wurde: A1 oder A1+A2.
Klasse 1 oder Klasse 2 – Verfahren und Situation entscheiden
| Klasse | Risiko | Typische Verfahren |
|---|---|---|
| 1 | Geringeres Risiko, weniger Spritzer und Strahlung | WIG-Schweißen, MIG-Schweißen mit geringer Stromstärke, E-Hand-Schweißen mit rutilumhüllter Elektrode, Hartlöten, Bedienung von Plasmaschneidemaschinen |
| 2 | Höheres Risiko, mehr Spritzer und stärkere Strahlung | E-Hand-Schweißen mit basisch- oder celluloseumhüllter Elektrode, MAG-Schweißen (CO2 oder Mischgase), MIG-Schweißen mit hoher Stromstärke, Fülldrahtschweißen, handgeführtes Plasmaschneiden, Sauerstoffschneiden, Fugenhobeln, Überkopfarbeiten, enge Räume |
Klasse 2 verlangt gegenüber Klasse 1 eine höhere Zahl an Metallspritzer-Tropfen im Test und eine bessere Beständigkeit gegen Strahlungswärme. Die Einstufung folgt der Gefährdungsbeurteilung: Überkopfschweißen und Arbeiten in engen Räumen fallen auch dann unter Klasse 2, wenn das Verfahren selbst harmlos wirkt – weil Spritzer dort anders auf die Kleidung treffen.
Die Kennzeichnung lesen
So sehen die Angaben in unseren Kollektionen aus:
| Kennzeichnung | Bedeutung | Bei uns |
|---|---|---|
| Klasse 1-A1 | Schweißerschutz Klasse 1, Oberflächenbeflammung | KÜBLER PROTECTIQ Klassik |
| Klasse 1-A1+A2 | Klasse 1, zusätzlich Kantenbeflammung geprüft | KÜBLER SAFETY X COMPACT |
| Klasse 2-A1 | Schweißerschutz Klasse 2, Oberflächenbeflammung | KÜBLER PROTECTIQ HIGH VIS |
| Klasse 2, A1+A2 | Höchste Stufe im Sortiment | KÜBLER PROTECTIQ WELDING |
Worauf es in der Praxis ankommt
Die Übergänge sind die Schwachstelle
Funken und Spritzer suchen sich jede Öffnung. Die typischen Eintrittsstellen sind immer dieselben: der Kragen, der Ärmelabschluss, der Übergang zwischen Jacke und Hose, offene Taschen. Deshalb hat Schweißerschutzkleidung abgedeckte Verschlüsse und keine offenen aufgesetzten Taschen im Spritzbereich – ein Funke, der in eine Brusttasche fällt, bleibt dort liegen und brennt sich durch.
Die Hose gehört über den Schuh
Ein simples Detail mit großer Wirkung: Wird das Hosenbein in den Schuh gesteckt, entsteht ein Trichter, der Spritzer direkt in den Schuh leitet. Die Hose gehört über den Schaft.
Überkopf ändert alles
Beim Überkopfschweißen fallen Spritzer senkrecht auf Schultern, Kragen und Ärmel – also auf Stellen, die beim Schweißen in Normalhaltung kaum belastet werden. Das ist der Grund, warum Überkopfarbeiten unabhängig vom Verfahren in Klasse 2 fallen.
Reparaturen nur fachgerecht
Ein Loch im Schweißerschutz ist keine Schönheitsfrage. Wird mit normalem Nähgarn oder nicht flammhemmendem Flicken repariert, entsteht genau an der reparierten Stelle eine Schwachstelle. Bei PSA der Kategorie III sind Änderungen ohnehin dem Hersteller vorbehalten.
Was zusammen mit EN ISO 11611 auftritt
Schweißerschutz kommt selten allein. Unsere Artikel kombinieren ihn regelmäßig mit:
- EN ISO 11612 – Hitze und Flammen: deckt Hitzearten ab, die über den Schweißprozess hinausgehen, etwa Metallspritzer nach Code D und E.
- EN 1149-5 – Elektrostatik: wichtig, wo neben dem Schweißen brennbare Stoffe vorkommen.
- IEC 61482-2 – Störlichtbogen: bei Schweißarbeiten an oder nahe elektrischen Anlagen.
- EN ISO 20471 – Warnschutz: für Montagearbeiten im Verkehrsbereich.
Kollektionen für Schweißarbeiten
38 Modelle unserer Kollektionen sind nach EN ISO 11611 zertifiziert – Jacken, Hosen und Latzhosen in beiden Klassen. Eine passende Einstiegsseite ist außerdem unsere Übersicht für Schweißer und Gießer.
Häufige Fragen
Brauche ich Klasse 1 oder Klasse 2?
Das hängt an Verfahren und Arbeitssituation. WIG-Schweißen, MIG mit geringer Stromstärke, E-Hand mit rutilumhüllter Elektrode und Hartlöten fallen in der Regel unter Klasse 1. E-Hand mit basischer oder Cellulose-Elektrode, MAG-, Fülldraht- und Überkopfschweißen, handgeführtes Plasmaschneiden sowie Arbeiten in engen Räumen verlangen Klasse 2.
Was bedeutet A1 und A2 – sind das die Klassen?
Nein. Die Schweißerschutz-Klassen heißen 1 und 2. A1 und A2 bezeichnen das Beflammungsverfahren: A1 steht für Oberflächenbeflammung, A2 für Kantenbeflammung. „Klasse 2-A1+A2" bedeutet also Schweißerschutz Klasse 2, geprüft mit beiden Verfahren.
Schützt Schweißerschutzkleidung auch vor Stromschlag?
Sie bietet einen begrenzten Schutz gegen kurzzeitigen, zufälligen Kontakt mit spannungsführenden Teilen bei Gleichspannung bis etwa 100 V. Eine isolierende Schutzausrüstung ersetzt sie nicht. Für Arbeiten an elektrischen Anlagen gilt IEC 61482-2.
Warum keine offenen Brusttaschen?
Weil ein Funke, der hineinfällt, dort liegen bleibt und sich durchbrennt. Schweißerschutzkleidung hat deshalb abgedeckte Verschlüsse und im Spritzbereich keine offenen aufgesetzten Taschen.
Darf ich beschädigte Schweißerkleidung selbst flicken?
Nicht mit normalem Garn oder nicht flammhemmendem Material – dann entsteht genau an der reparierten Stelle eine Schwachstelle. Bei PSA der Kategorie III sind Änderungen ohnehin dem Hersteller vorbehalten.
Beratung Schweißerschutz
Klasse 1 oder Klasse 2 –
das Verfahren entscheidet.
Wir sagen dir, welche Klasse dein Schweißverfahren verlangt und welche Kombination aus Jacke, Hose und Zubehör den Übergang lückenlos schließt.
Stand: Juli 2026